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Energiepass 2006 – Chance für das Handwerk


Von Jörg Veit, sez-Stuttgart
 
Kommende Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Der Energiepass 2006 kommt - fraglich ist nur noch der Zeitpunkt. Der Referentenentwurf zur EnEV 2006 lässt leider noch auf sich warten. Die Abstimmungen zwischen den Bundes- und Landesministerien gestalten sich schwierig, so Dipl. Ing. Hans-Dieter Hegner zuständiger Baudirektor beim Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) in seinem Vortrag auf dem Deutschen Energieberater Forum enervisor® am 11.03.2006  in Böblingen. Minister Tiefensee wird mit der Aussage zitiert, dass mit der Einführung des Energiepasses nicht vor 2007 zu rechnen ist. 
 
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Der Energiepass bringt Transparenz über den Energieverbrauch

Die Bundesregierung sammelte im dena-Feldversuch erste Erfahrungen bei der Erstellung von Energiepässen in Deutschland.
Über 4.100 Energiepässe wurden von Architekten und Ingenieuren, Vor-Ort-Energieberatern, Gebäudeenergieberatern im Handwerk und weiteren Berechtigten ausgestellt. Der Feldversuch wurde als Grundlage für das Gesetzgebungsverfahren zur Einführung eines obligatorischen Energiepasses herangezogen. Ergebnisse dieser Regelung sind nun auch für den bundeseinheitlichen Energiepass zum Tragen gekommen. Experten prognostizieren bereits in den ersten Jahren nach Umsetzung der Richtlinie einen hohen Bedarf an Energieausweisen für Gebäude.

Daraus ergeben sich gleich mehrere positive Aspekte für das Handwerk in Deutschland:
 

1. Der Energiepass sorgt für über 2 Mio. Energieausweise bereits im 1. Jahr
       - Chance für das Handwerk qualifizierte Energieberatung anzubieten
 
2. Der Energiepass macht "Energiefresser" transparent
       - Das Handwerk liefert vielfältige Lösungen und kann sich als Dienstleister einbringen
 

3. Der Energiepass belebt den Modernisierungsmarkt 
       - Qualifizierte Dienstleister bieten Kompetenz und Leistung aus einer Hand
 

4. Der Energiepass - ein Thema mit Breitenwirkung 
       - Die Sensibilisierung der Bevölkerung zum Thema "Energieeffizienz" ist eine
         Einladung für innovative Unternehmen sich als "Energiesparhandwerker"am Markt zu etablieren

 
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Energieberatungsausbildung im sez
 
 
Einschätzung des Dienstleistungsmarkt "Energieberatung"
Die Mehrzahl der 17,1 Mio. bundesdeutschen Wohngebäude werden nicht von Eigentümern genutzt, sondern von Mietern (ca. 65%). Dadurch müssen bereits zeitnah Energiepässe ausgestellt werden.
 
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Bestand von Wohngebäuden in Deutschland (Quelle: dena)
 

Bei einer Mieterwechselrate von angenommenen 10% und einer Veräußerungsrate von 10% bei Wohnimmobilien gehen Fachleute allein im Wohnungsbau von über 2 Millionen Energiepässen im Jahr 2006 aus, so die dena. Nach einer Studie von Dr.-Ing. Klaus-Dieter Clausnitzer vom Energieinstitut der Uni Bremen (im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit) sind es sogar mehr als 2,5 Mio. Ausweise im 1. Jahr. In den nachfolgenden Jahren nimmt die Tendenz deutlich ab, bis jedoch alle Gebäude den erforderlichen Energiepass besitzen, werden Jahre vergehen. Ersten Schätzungen zu folge kann die Deckung mit Ausweisen im Mehrfamilienhausbereich erst in ca. 10 Jahren erreicht werden.
 
Die Durchdringung von Energiepässen in diesen Gebäuden wird aufgrund der unterschiedlichen Gebäudestrukturen in den einzelnen Bundesländer jedoch variieren. Bundesländer mit höherem Anteil an ohngebäuden und höherem Mietanteil können aus einem größeren Beratungspotential schöpfen.
 
Einschätzung des Modernisierungsmarktes
Gerade im Wohnungsbau ergeben sich durch die Besitzverhältnisse unterschiedliche Interessenslagen hinsichtlich der Investitionen zur Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden. Der Mieter ist daran interessiert, niedrige Energiekosten eines sehr energieeffizienten Gebäudes zu bezahlen. Dahingegen ist das Interesse des Vermieters am Energieverbrauch des Mieters nur sehr gering, es betrifft ihn ja auch nicht direkt. Aufgrund der steigenden Energiekosten ist aber zu erwarten, dass der Energiepass mit der beabsichtigten Transparenz direkten Einfluss auf die Miete haben kann.
 
Bei einem Vortrag von Professor Hirschberg von der Fachhochschule Aachen wurde der Gebäudebestand für gewerbliche, Büro und öffentliche Gebäude auf ca. 0,52 Mio. (ohne Produktionsstätten) beziffert. Nach seinen Angaben ist der Gebäudebestand im Durchschnitt zu 75 % sanierungs- und modernisierungsbedürftig (Schwankungsbreite 65 - 85 % je nach Gebäudetyp). Experten der Hochschule gehen davon aus, dass im Bereich des Wärmeverbrauchs durchschnittlich etwa 30 % und im Bereich des Stromverbrauchs durchschnittlich etwa 15 % Energieeinsparung möglich sind. Daraus resultieren bei den aktuellen Energiepreisen jährliche Energiekosteneinsparungen in Höhe von über 3 Milliarden Euro. Um dieses Potential zu erschließen sind Investitionen von etwa 18 Milliarden Euro nötig - so Professor Hirschberg.
 
Modernisierungsmaßnahmen im Bestand
 
Im Fokus der Modernisierung können stehen...
 
- Dämmung der Außenwände, Daches, Kellerdecke, oberen Geschossdecke,
- Austausch von Fenster, Aussentüren
- Luftdichte Gebäudehülle
- Vermeidung/ Abbau von Wärmebrücken aller Art
- Erneuerung des Wärmeerzeugers,
- Einbezug regenerativer Energien (Solarthermie, PV...),
- Passive Nutzung der Solarenergie
- Nutzung der Wärmepumpentechnik,
- Wärmerückgewinnung,
- Einbau geregelter Pumpen,
- Hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage,
- Dämmung des Wärmeverteilsystems, Wärmeverteilung mit kurzen Wegen
- Niedrige Systemtemperaturen
- Leitungen und Installationen innerhalb der thermischen Hülle
- verbesserte Regelung (selbstadaptierende Regler),
- Nutzung innovativer Technologien in der Kälteerzeugung,
- Erschließung von Synergien durch die effiziente Nutzung der Gebäudeautomation,
-  Modernisierung der Beleuchtungsanlagen (Energiesparlampen, elektronische Vorschaltgeräte, LED-Technik),
- Tageslichtnutzung durch Kombination aus Lichtleittechnik/ Konstantlichtregelung,
- Helligkeitssteuerung und der Einsatz von Präsenzmelder,
- optimale Anpassung der Nutzerprofile durch Gebäudeautomation.
 

Die Aufzählung von Maßnahmen und Zahlen zeigen auf, welche Möglichkeiten in der Sanierung auch für die Gebäudetechnik steckt. Ein beachtliches Marktpotential für das Handwerk.
 
Vom Energiepass zur Modernisierung
Der Energiepass soll gemäß des Artikels 7 der EU-Richtlinie, Empfehlungen für eine kostengünstige Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz enthalten. Es ist unstrittig, dass diesen Vorschlägen eine gewissenhafte Modernisierungsplanung und Wirtschaftlichkeitsberechnung vorausgeht. Für Eigentümer, die eine Eigenfinanzierung von Modernisierungsmaßnahmen auf die Beine stellen können, lohnt sich die Investition in jedem Fall. Dort gilt die Sanierung als besonders zukunftsorientiert und werterhaltend. 
 
Aus veröffentlichten Daten des dena-Feldversuches geht hervor, dass knapp 60% der selbstnutzenden Eigentümer Modernisierungsmaßnahmen bereits realisiert, konkret geplant haben oder zu einem späteren Zeitpunkt realisieren werden. Wohnungsbaugesellschaften und private Vermieter liegen hier bei knapp über 50%.
 
Die Sanierungsplanung wird durch den Energiepass erleichtert, empfanden über 33% selbstnutzende Eigentümer, Private Vermieter und  über 23% der Wohnungsbaugesellschaften.
 
Zahlen aus Baden-Württemberg bestätigen diesen Trend:
Mit den dort eingeführten EnergieSparChecks konnten Anstöße für eine Reihe von Sanierungsmaßnahmen gegeben werden. Der EnergieSparCheck ist ein Förderprogramm zur Energieberatung vor Ort. Aufgrund der Erhebungen in 2004 kann davon ausgegangen werden, dass 68 Prozent der Kunden mindestens eine der vorgeschlagenen Maßnahmen innerhalb der nächsten drei Jahre umsetzen werden. Damit ist ein Investitionsvolumen von ca. 51 Mio. € (durchschnittliche Investition von 23.000 Euro) und eine jährliche Einsparung von ca. 11.200 t CO2 zu erwarten . Nicht zuletzt trugen sich bereits 66 Prozent der Befragten bereits mit Sanierungsplänen bzw. planten Darlehen zu beantragen, bevor eine Energieberatung in Auftrag gegeben wurde.
 
Wie Bild 4 zeigt, ist die Bereitschaft für eine Sanierungsmaßnahme zu investieren ebenfalls gegeben: 39 Prozent der Hausbesitzer planen mehr als 30.000 Euro ein, 18 Prozent sind bereit, zwischen 20 und 30.000 Euro auszugeben. 11 Prozent wollen bis zu 20.000 Euro bezahlen und weitere 20 Prozent werden bis zu 15.000 Euro investieren. 12 Prozent machen keine Angaben. Insgesamt  käme man auf eine Investitionssumme von circa 2,9 Mio. Euro durch die befragten Gebäudebesitzer (n=120). Dies entspricht einem durchschnittlichen Investitionsvolumen von knapp 24.600 Euro pro Eigentümer.
 
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Investitionen in Modernisierungsmaßnahmen (Quelle: BWHT)
  
Der EnergieSparCheck erweist sich in Baden-Württemberg nach wie vor als ein effektives Instrument zur Erreichung eines sinnvollen Klimaschutzes. Es gibt wichtige und förderliche Impulse für sanierungswilligen Bauherren und wird von den Kunden gut angenommen.
 
Vom Handwerksmeister zum Energieberater
Diese Wirkung kann mit dem bundesweiten Energiepass ebenfalls gelingen, wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen. Die Bedeutung einer guten Beratung zur Umsetzung mehrerer Maßnahmen und dadurch Belebung der Baukonjunktur darf nicht unterschätzt werden. Denn die Zusammenhänge zwischen den Sanierungsmaßnahmen an einzelnen Bauteilen sind den meisten Kunden vor einer energetischen Beratung wenig bekannt. Deshalb ist es wichtig sich in diesem Bereich zu qualifizieren und Beratungsdienstleistung anzubieten.
 
Die Ausbildung zum "Gebäudeenergieberater (HWK)" ist mit 250h sehr zeitaufwändig. Aufgrund dieser Problematik hat das Solarenergie Zentrum Stuttgart (sez) ein Blended-Learning Seminar zum Gebäudeenergieberater im Handwerk (GiH)  ausgearbeitet. Das Seminarkonzept wird seit 2004 erfolgreich angeboten. Im letzten Jahr konnten bereits über 80 Energiefachleute mit einem innovativen Schulungskonzept im Bereich der Energiediagnose und Modernisierungsplanung ausgebildet werden.
 
Das sez bietet mit ihrem "Blended-Learning-Konzept" eine bundesweit anerkannte Fortbildung an, die es vielen Unternehmern ermöglicht, sich sehr zeiteffizient für den Markt der Energieberatung zu qualifizieren.
 
Das Blended-Learning Seminar zum GIH bietet wesentliche Vorteile gegenüber den konventionellen Präsenzkursen:
- zeitliche Flexibilität durch das umfassende Webbasierte Training (WBT),
- eine erhöhte Lernmotivation bei Teilnahme an den Präsenzphasen (Bild 2),
- Berücksichtigung persönlicher Erfahrungen und Kenntnissen,
 Reduzierung der Reise- und ggf. Übernachtungskosten sowie
- individuelle Problemlösungen durch tutorielle Begleitung.

Umfragen belegen diese Vorteile. So konnten bereits einen Monat nach einem Seminar in Stuttgart 67% der befragten Gruppen erlerntes Wissen in der beruflichen Praxis anwenden und über ein Drittel berichten bereits über Energieberateraufträge.
 
Ausblick
Mit der Qualifikation in der Tasche, kann man schon jetzt mit der Energieberatung beginnen. Deutschland hat mit der Bundesimmissionsschutzverordnung und der EnEV wirkungsvolle Instrumente entwickelt, die vielen Anforderungen der EU-Richtlinie bereits heute schon Rechnung tragen. EnEV-Anpassungen wird es in jedem Fall im Bereich Beleuchtungs- und Klimatechnik im Nichtwohnungsbau geben. Hier wurde jedoch die DIN V 18599 (Energetische Bewertung von Gebäuden) auf den Weg gebracht. Baudirektor Hegner wies darauf hin, dass Energiepässe, die auf Grundlage der Energieeinsparverordnung (EnEV) gerechnet werden - unabhängig von Ihrer Gestaltung - für die kommenden 10 Jahre als Energiepass Gültigkeit haben. Warum also auf die EnEV 2007 warten? Im Wohnungsbau - so Hegner - wird es keine neue Methode geben!

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Jörg Veit im Gespräch mit Baudirektor Hans-Dieter Hegner
  
Voraussichtlich wird es wahlweise einen bedarfs- und einen verbrauchsbasierten Energiepass geben (Verbrauchsbasiert wo sachgerecht). Genaueres war auf der Fachtagung enervisor® in Böblingen jedoch nicht zu erfahren. Die Verhandlungen der Ministerien erweisen sich als schwer. Der Referentenentwurf zur EnEV 2006 ist ein gut gehütetes Geheimnis, welches in den nächsten Monaten gelüftet werden soll!
 
Interessante Links zum Thema:
 
www.gebaeudeenergiepass.de
www.zukunft-haus.info
www.deutsche-energie-agentur.de