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Mit der Firma will ich Brücken bauen

Herrenberg: Der Solarteur Bülent Aydemir hat sich im Kreis mit Zukunftstechnologie selbstständig gemacht / SZ/BZ-Serie "Muslime- Fremde oder Freunde" (XIII)
 
"Herrenberg ist meine Heimat, hier bin ich geboren und aufgewachsen, hier sollte der Sitz meiner Firma sein", sagt Bülent Aydemir. Der Sohn türkischer Eltern aus Yalova bei Istanbul hat in Herrenberg seine Solartechnikfirma Aysolar gegründet.
 
Ein Jugenderlebnis hat Bülent Aydemirs Interesse für Solartechnik geweckt. "Immer wieder war meine Familie zu Besuch bei unsere Verwandten in Yalova am Marmara-Meer. Für uns deutsche Wohlstandskinder war morgens das Duschen mit kaltem Wasser eine Tortur. Nur mein Großvater hatte auf dem Dach eine schwarze geteerte Regentonne, aus der er eine schlichte Solaranlage fabriziert hatte. Dort konnte ich warm duschen. Das hat mich tief beeindruckt."
 
Weiter Weg zum eigenen Betrieb
 
Außerdem habe ihn der Slogan der frühen 80er Jahre "Ich bin Energiesparer" geprägt. Bülent Aydemir: "Ich konnte nie verstehen, warum man mit einer solch kostbaren Ressource wie Energie so verschwenderisch umgehen kann." Bis zum eigenen Solar-Betrieb war es noch ein weiter Weg. Nach der Fachschule für Metallverarbeitung und Maschinenbau im Sindelfinger Gottlieb-Daimler-Schulzentrum hat Bülent Aydemir die Ausbildung zum Rettungsassistenten absolviert, sich aber nebenher auf dem Energiesektor weitergebildet.
Als ihm klar wurde, dass er als Rettungsassistent keine weitere Aufstiegsmöglichkeiten mehr hatte, ging er nach Mannheim, wo er eine Firma für Industrie-Isolierungen leitet. Bülent Aydemir: "Wir haben unter anderem das Böblinger Blockheizwerk, das Großkraftwerk in Mannheim und die Esso-Raffinerie in Karlsruhe isoliert."
 
Ausbildung zum Solarteur
 
Nach der Ausbildung zum Solarteur am Stuttgarter Solarenergiezentrum und einem Intermezzo mit einem eigenen Solarbetrieb in Mutterstadt kam die Firmengründung in Herrenberg mit Produkten aus österreichischer Produktion. Mit dem Standort ist Bülent Aydemir, der es mittlerweile zum Bundessprecher der Solarteure gebracht hat, eingeschränkt zufrieden: "In Bayern sind sowohl Solartechnik als auch Handwerker weiter. Wir sind hier auf dem Stand der Bayern vor zwei Jahren. Der Beruf hat viel Zeit, Idealismus und Aufklärungsarbeit gekostet, aber ich stehe für die Energiewende in der Gesellschaft. Allerdings sollte man in Sachen Ökologie nicht spinnen, sondern die Technik wirtschaftlich sinnvoll einsetzen.
 
Ressentiments immer wieder erlebt
 
Ressentiments wegen seiner türkischen Herkunft hat der türkische Jungunternehmer, dessen Antrag auf deutsche Staatsbürgerschaft gerade läuft, immer wieder erlebt. Bülent Aydemir: "Eine gewisse Zahl von Leuten macht deshalb mit meiner Firma nichts." Michael Lechler, aus dessen beratender Tätigkeit für Aysolar jüngst eine Art Firmenpartnerschaft geworden ist, ergänzt: "Seine türkische Herkunft hindert die Leute nicht, zu seinen Vorträgen zu kommen. Wenn sie ihn dann hören, schmelzen die Vorurteile."
Abern nicht nur Bülent Aydemirs Vorträge überzeugen. Der 31jährige, der sich als schwäbischen Tüftler betrachtet, hat zahlreiche Verbesserungen in Sachen Solartechnik entwickelt. Bülent Aydemir: "Dazu gehören ein solarer Kältekollektor, also ein Solarkollektor der Kälte produziert und ein dezentrales Lüftungsgerät mit 90 Prozent Wärmerückgewinnung und die optimale Kombination von Solar-, Brennwert- und Lüftungstechnik. Dadurch wird die Leistungssteigerung der Anlagen von mehr als 100 Prozent möglich."
Auch in der Herrenberger Kommunalpolitik hat sich der parteilose Bülent Aydemir einen Namen gemacht: Er wurde zum Sprecher der lokalen Agenda gewählt. Sein Ansatz, die lokale Wirtschaft stärker in den Agenda-Prozess einzubinden, wie im Rathaus gut angekommen, ließ sich aber schlecht verwirklichen.
Bülent Aydemir: "Der Agenda-Prozess hat alte Grabenkämpfe zwischen Gruppen wie BUND und Dritte-Welt-Gruppen nicht wirklich beendet. Es gab Forderungen, die sich als Windeier erwiesen haben wie der Bau von Sonnenkollektoren auf alle Altstadtdächer, ohne Rücksicht auf die Denkmalpflege."
 
Engagement für Mitmenschen
 
Unternehmerische Verantwortung sieht Bülent Aydemir auch im Engagement für Mitmenschen. Nach dem schrecklichen Erdbeben in der Türkei vor mehr als einem Jahr, von dem auch Yalova stark betroffen war, haben Bülent Aydemir und Michael Lechler die "Erdbebenhilfe für Yalova" ins Leben gerufen und gespendete Hilfsgüter wie Kleidung und Spielsachen in den Katastrophenort gebracht.
Auch über erdbebensicheres Bauen haben sich Bülent Aydemir und Michel Lechler Gedanken gemacht, jedoch noch niemanden an Ort und Stelle gefunden, der bereit war sie aufzugreifen. Bülent Aydemir: "Die Menschen waren vom Beben noch zu sehr traumatisiert. Sie mussten zuerst ihr Leben wieder in den Griff bekommen. Vielleicht muss man etwas abwarten und dann einen neuen Anlauf starten."
"Unsere Firma will Brücken bauen", sagt Bülent Aydemir. Deshalb hat er sich für die Kooperation mit türkischen Firmen im Kollektorbereich engagiert, doch der Einsatz, so Bülent Aydemir, scheiterte, weil ein Partner nicht aus dem Knebelvertrag mit einer deutschen Firma herauskam.

Umbruch in mehreren Generationen
 
Für die politische und wirtschaftliche Entwicklung in der Türkei sieht Bülent Aydemir Chancen - aber noch nicht sofort: "Erst wenn Politiker, Unternehmer, Lehrer und Hocas nach dem Umbau des Erziehungswesens Kritikfähigkeit entwickeln, wird ein Umbruch zum Besseren stattfinden. Das wird noch zwei bis drei Generationen dauern, denn den Menschen wird immer etwas vorgesagt, dem sie nacheifern sollen. Eigeninitiative ist wenig gefragt. Die heutigen Yuppies sind eher Rotznasen als Vorbilder".
 

Kontakt zum Thema:

Solarenergie Zentrum Stuttgart
Telefon: 0711 / 955 916 - 0
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