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Newsletter Nov./Dez. 2007

Bewegende Momente
 
Die letzten zwei Monate waren für Sie als Energieberater und Solarteure sicherlich spannend! Die Landesregierung von Baden-Württemberg macht "Nägel mit Köpfen" und verabschiedet als erstes Bundesland ein Wärmegesetz. Was dann noch aus Berlin an Entwürfen zu uns kam, war nur noch kalter Kaffee. Bleibt zu hoffen, dass die Bundesregierung den Ländern die Möglichkeit offen lässt, schärfere Klimaschutzbestimmungen zu erlassen. Sonst wären die Bemühungen aus Baden-Württemberg vergebens.
 
Vergebens waren leider die Bemühungen der 187 Länder auf der Weltklimakonferenz in Bali. Was von der großen Weltklimapolitik übrig blieb, war eine Fußnote mit Hinweisen auf den Bericht des Weltklimarates IPCC, der Empfehlungen zur Bekämpfung der Klimaerwärmung enthält - mehr leider nicht! Da zählt eben der treue Grundsatz aller Gebäudeenergieberater und Solarteure: "Es gibt nichts gutes außer man tut es!" (Zitat von Erich Kästner)
 
Mit etwas Wehmut verfolgen wir derzeit die Pläne des Bundeskabinetts. Ab 2009 soll die Fotovoltaik-Vergütung deutlich sinken. Wir alle sind gespannt, wie der Markt und die Industrie darauf reagiert.
Die Energieberater können sich freuen! Im Februar 2008 legt die KfW einen Sonderfonds auf. Im Rahmen von Energieeffizienzberatungen werden Initial- und Detailberatungen mit Tagesfördersätzen bis zu 640,-€ gefördert.
 
Aber Sie werden auch in 2008 wieder gefordert: "Die Bundesregierung erwägt in einer EnEV-Novelle, dass ab 1.1.2009 auch Wohngebäude nach DIN V 18599 berechnet werden müssen." Tja - "Lernen ist wie Schwimmen gegen den Strom. Sobald man aufhört, treibt man zurück." (Zitat von Benjamin Britten)
Leider gab es in diesem Jahr für viele Solarfachbetriebe Auftragsrückgänge im 2-stelligen %-bereich, ein Anschluss an das Wachstum im vergangenen Jahr war nicht möglich. Freuen Sie sich - 2008 erweitert der Bund die Förderung des Marktanreizprogramms der BAFA. Kaum zu glauben aber wahr - die Wärmepumpe wird wieder gefördert! Nur besonders effektiv muss sie sein... Wie gut das unsere Solarteure wissen, wie man effiziente Wärmepumpen baut!
 
Nach den bewegenden Momenten des vergangenen Monats erwarten wir mit Spannung die Herausforderungen in 2008!
Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie ein frohes Weihnachtsfest, Glück und Gesundheit im neuen Jahr!
 
Ihr sez-Team
 
Jörg Veit, Ingo Pfalzgraf und Andrea Bäzner
 
PS: Eine kleine Überraschung möchten wir Ihnen noch unter den "Christbaum" legen. Auf der Messe Clean Energy Power am 8. März in Stuttgart, gründen wir anlässlich des bundesweiten Solarteurtreffens, den ersten Solarteur-Club in Deutschland! Lassen Sie sich überraschen... Infos unter http://www.cep-expo.de/index.php?id=solarteur-treff
 
Weitere Detailinformationen zu diesem newsletter finden sie in nachfolgendem Text.
 

Bundesregierung plant ab 2009 DIN V 18599 auch für Wohngebäude
Die Bundesregierung erwägt in einer EnEV-Novelle, dass ab 1.1.2009 auch Wohngebäude nach DIN V 18599 berechnet werden müssen. Somit müssen sich alle qualifizierten Gebäudeenergieberater mit dieser Norm vertraut machen. Unsere Kursplanungen laufen daher auf Hochtouren, so dass wir Sie im neuen Jahr mit einem "Update" auf die Anforderungen der "DIN V 18599 für Wohngebäude" vorbereiten können.
 
Neues Förderprogramm der KfW ab Februar 2008
Im Februar 2008 legt die KfW einen Sonderfonds Energieeffizienz in KMU (kleinere und mittlere Unternehmen) auf. Im Rahmen von Energieeffizienzberatungen fördert die KfW Initial- und Detailberatungen mit Tagesfördersätzen bis zu 640,-€. Infos unter www.kfw.de
 
Neue BAFA-Richtline für Marktanreizprogramm -
Wärmepumpe erstmalig wieder in der Förderung

Im Interesse einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Energieversorgung soll 2008 der Einsatz erneuerbarer Energien verstärkt gefördert werden. Neben den klassischen Investitionszuschüssen soll es auch in 2008 wieder Zuwendungen im Rahmen des KfW-Programms Erneuerbare Energien geben. Neu eingeführt wird die Innovationsförderung für neuartige oder besonders innovative Technologien. Darüber hinaus werden durch eine neue Bonusförderung verstärkte Anreize gesetzt, erneuerbare Energien im Wärmemarkt besonders energieeffizient einzusetzen. Instrumente hierfür sind der Effizienzbonus und der Bonus für den Einsatz von hocheffizienten Solarkollektorkreispumpen und Umwälzpumpen. Neu ist auch die Förderung von besonders effizienten Wärmepumpen durch das neue Marktanreizprogramm. Förderfähig über die BAFA ist dann die Errichtung und Erweiterung von:

  • Solarkollektoranlagen bis 40 m2 Bruttokollektorfläche,
  • Solarkollektoranlagen mit mehr als 40 m2 Bruttokollektorfläche auf Ein- und Zweifamilienhäusern mit hohen Pufferspeichervolumina,
  • automatisch beschickten Anlagen zur Verbrennung von fester Biomasse für die thermische Nutzung bis einschließlich 100 kW Nennwärmeleistung,
  • handbeschickten Anlagen zur Verbrennung von fester Biomasse für die thermische Nutzung von 15 bis 50 kW Nennwärmeleistung (Scheitholzvergaserkessel), effizienten Wärmepumpen,
  • besonders innovativen Technologien zur Wärme- und Kälteerzeugung aus erneuerbaren Energien nach Maßgabe dieser Richtlinien:
    • Große Solarkollektoranlagen von 20 bis 40 m2 Bruttokollektorfläche,
    • Sekundärmaßnahmen zur Emissionsminderung und Effizienzsteigerung bei Anlagen zur Verfeuerung fester Biomasse bis einschließlich 100 kW Nennwärmeleistung
    • besonders effiziente Wärmepumpen.

Allgemeine Anforderungen an die zu fördernden Technologien sind in Nr. 7 (Solarkollektoranlagen), Nr. 8 (Anlagen zur Verfeuerung von Biomasse) und Nr. 9 (effiziente Wärmepumpen) geregelt. Die Höhe der Förderung ist in Nr. 11 der neuen Richtlinien geregelt. Die Richtlinie ist einsehbar unter http://www.erneuerbare-energien.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/foerderrichtlinie_waerme.pdf
 

Klimaschutzziele nur noch eine Fußnote wert!
Weltklimakonferenz in Bali endet ohne verbindliche Klimaschutzziele
Wer hätte es gedacht: "Leider haben sich die 187 Länder auf der Weltklimakonferenz nicht auf konkrete Vorgaben zum Klimaschutz in der Abschlusserklärung einigen können. Konkrete Ziele für die Minderung der Treibhausgase wurden vor allem auf Drängen der Deligation aus den USA nicht festgelegt. Was blieb war eine Fußnote mit Hinweisen auf den Bericht des Weltklimarates IPCC, der Empfehlungen zur Bekämpfung der Klimaerwärmung enthält. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Die UN-Konferenz hat auf Bali das Verhandlungsmandat für ein neues globales Klimaabkommen beschlossen. Der neue Vertrag soll 2009 auf der nächsten Klimakonferenz in Kopenhagen abgeschlossen und in den Folgejahren ratifiziert werden. Das Abkommen soll dann das Kyoto-Protokoll 2012 ablösen. Dann möchten auch die US-Amerikaner mit dabei sein.
 
Bundesumweltminister Gabriel bekräftigt das Deutsche Ziel, die CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu verringern. Deutschland stellt dafür ab 2008 rund eine Milliarde Euro für internationale Klimapolitik zur Verfügung. Dabei geht es um technologische Hilfen für mehr Energieeffizienz oder zur Bewältigung von Klimafolgen sowie um den Schutz tropischer Wälder. "Wir waren es, die die Atmosphäre zu einer Müllhalde für Treibhausgase gemacht haben", sagte Gabriel mit Blick auf die Verantwortung der Industriestaaten.
 
Bundeskabinett beschließt PV- Vergütungsabsenkung
Schlechte Nachrichten für Solarteure, obwohl der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) die Bundesregierung in den letzten Monaten wiederholt stark kritisierte, beschloss das Bundeskabinett ab 2009 eine zum Teil deutliche Absenkung der Fotovoltaik-Vergütung. Der Industrieverband hatte vor einer beschleunigten Vergütungsabsenkung und deutlichen Reduzierung der Vergütung gewarnt. Gegenüber dem Referentenentwurf hat es jedoch keine Änderungen mehr an den Vergütungssätzen gegeben. Sollte es im Verlauf des nachfolgenden parlamentarischen Verfahrens (Frühjahr 2008) keine Änderungen mehr geben, werden die nachfolgenden Änderungen ab 1. Januar 2009 in Kraft treten:
Bei Inbetriebnahme einer Fotovoltaik-Anlage im Jahr 2009 ergeben sich demnach - je nach Größe der Anlage - die folgenden Vergütungssätze (in Klammern zum Vergleich die Vergütung der geltenden EEG-Fassung):
Für Freiflächenanlagen soll es entsprechend der EEG-Novelle ab 2009 noch 32,0 Cent (33,1 Cent) geben. Wird die Solarstromanlage auf dem Dach montiert, sollen bis einschließlich 30 kW 42,48 Cent (44,41 Cent) je kWh vergütet werden. Eine Dach-Anlage zwischen 30 und 100 kW wird mit 40,36 Cent (42,26 Cent) vergütet, und für eine Fotovoltaik-Dachanlage ab 100 kW bis einschließlich 1 MW werden 39,9 Cent pro kWh vergütet. Dachanlagen über 1 MW erhalten 34,48 Cent je kWh (Fotovoltaik/Dach ab 100 kW vorher 41,79 Cent). Die EEG-Novelle sieht auch eine höhere Degression ab 2010 sowohl für Dach- als auch Freiflächen-Anlagen (FF) vor: Degression in 2010: 7 Prozent (bislang Dach 5 Prozent, FF 6,5 Prozent), ab 2011: 8 Prozent (bislang Dach 5 Prozent, FF 6,5 Prozent).
Quelle: www.solarportal24.de
 
Umweltministerin Tanja Gönner stellt Wärmegesetz beim Herbstforum Altbau vor
Anlässlich des Herbstforums Altbau am 21. November 2007 stellte Umweltministerin Tanja Gönner die Eckpfeiler des Wärmegesetzes vor. "Es ist ein Gebot der ökologischen wie auch der ökonomischen Vernunft den Dinosauriern unter den Gebäuden eine Verjüngungskur zu verpassen. Investitionen in eine verbesserte Ökobilanz dürfen nicht länger aufgeschoben werden", mahnte Umweltministerin Gönner. Das nicht unumstrittene Gesetz hatte im Vorfeld bereits für Widerstände bei Immobilienverbänden geführt. Sie fürchten massive Kosten durch energetische Zwangsmaßnahmen an Gebäuden. Kritiker bemängeln hingegen, dass die vielen Ausnahmen das Gesetz zu einem Papiertiger werden lassen und der Staat wieder einmal den Bürger belaste, sich selbst aber hinsichtlich der Befreiung öffentlicher Gebäude verschont. Frank Hartmann vom Forum Wohnenergie kritisierte die Landesregierung scharf: "Mit dem angedrohten Ordnungsgeld von bis zu 100.000 Euro ist bei den Bürgern kein überzeugender Klimaschutz kommunizierbar", so Hartmann. Das Ordnungsgeld würde anfallen, sollte sich ein Gebäudeeigentümer gegen das Wärmegesetz stellen und dessen Auflagen nicht nachkommen. "In den vergangenen 13 Jahren sei der Heizölpreis bereits um über 75 Prozent nach oben geklettert. Zahlreiche Energieversorger hätten außerdem für Anfang kommenden Jahres eine neue Gaspreisrunde angekündigt. Bei älteren Gebäuden könnten durch eine bauliche Optimierung 50 Prozent und mehr der Energiekosten eingespart werden. Die Verbraucher sind der Entwicklung nicht hilflos ausgeliefert", so Gönner.
 
Noch nicht ganz geklärt scheint der Umstand, dass gesetzlich vorgeschriebene Technologien nicht mehr durch das Marktanreizprogramm des Bundes gefördert werden können. Bisher werden Solarthermie und Biomasse durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle - kurz BAFA - gefördert. Kritischen Fragen darauf blieben durch Volker Kienzlen, Geschäftsführer der KEA eigentlich unbeantwortet. Er stellte in seinem Faktenreichen Vortrag die Details des Gesetzes vor und untermauerte die Chance des Gesetzes. In einer aktuellen KEA-Studie wurde für die Solarthermienutzung ein flächengewichteter Durchschnittspreis von 845 €/m² Kollektorfläche ermittelt. Dies deckt sich sehr gut mit den Auswertungen des Marktanreizprogramms, die 2006 einen Wert von 860 €/m² ergab, so Kienzlen in seinem Vortrag.
Mit Spannung wird nun der Gesetzesentwurf des Bundesumweltminister Sigmar Gabriel erwartet. Nach der Steilvorlage aus Baden-Württemberg kommt Bewegung in die Bund-Länder-Debatte. Das Bundesumweltministerium arbeitet bereits seit längerem an einem Gesetzesvorschlag. Sollte der Bund ein eigenes Gesetz verabschieden, würde das Wärmegesetz aus Baden-Württemberg formal außer Kraft gesetzt. Aufgrund dieser Tatsache sind Diskussionen auf Bundes- und Landesebene bereits vorprogrammiert.