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SEZ im DIALOG – Wärmebrückenberechnung leicht gemacht

Im Rahmen der aktuellen EnEV-Novelle werden im Alt- wie Neubau Vorgaben für energetische Berücksichtigung von Wärmebrücken gegeben. Dadurch rückt die Thematik immer stärker in den Beratungsalltag eines Gebäudeenergieberaters.
 
Hierzu sprachen wir mit dem Wärmebrückenspezialisten Dipl. Ing. Daniel Kehl von der Berner Fachhochschule, warum dieses Seminar so wichtig für einen Gebäudeenergieberater ist.
 
Herr Veit: Warum ist die Betrachtung von Wärmebrücken heute so wichtig?
Herr Kehl: Zum einen bauen wir immer besser gedämmte Häuser. Dabei können die Wärmeverluste über Wärmebrücken ein erhebliches Maß ausmachen, sprich bis 30%. Es kann sich also lohnen, diese Wärmeverluste zu dezimieren. Zum anderen haben wir immer noch Schimmelprobleme in Alt- und erstaunlicherweise auch Neubau. Häufige Ursache sind Wärmebrücken. Hier ist eine Berechnung der Wärmebrücken sehr hilfreich und auch notwendig.
 
Herr Veit: Als Bau-Ing. haben Sie ja sehr viel Berufserfahrung in diesem Themenbereich. In der Praxis wird häufig Aufwand und Ertrag gegenüber gestellt, kein Kunde möchte mehr bezahlen als unbedingt nötig, schließlich kosten umfangreiche Berechnungen auch Geld.
Herr Kehl: Es ist wie immer eine Frage der Argumentation. Nur ein Beispiel: Ein Bauherr möchte einen KFW 60 Kredit haben. Nach den ersten Berechnungen des Planers kommt er zunächst auf 70 kWh/m²a. Nun hat der Planer verschiedene Möglichkeiten, den Bedarf um 10 kWh/m²a zu reduzieren.
a) Lüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung, b) Solaranlage c) Fenster mit 3-facher Verglasung oder zusätzliche Dämmung. Das sind Dinge, die dem Bauherren Geld kosten. Alternativ kann der Planer den Wärmebrückenzuschlag um 0,05 W/m²a reduzieren, in dem er Berechnungen durchführt. Dabei kann er parallel kontrollieren, ob der Mindestwärmeschutz eingehalten ist.

 
Herr Veit: Was sind eigentlich die Konsequenzen, wenn Fachleute Nachweise gar nicht oder nur mangelhaft führen oder sogar falsche Berechnungen anstellen?
Herr Kehl: Im Prinzip schuldet der Architekt, der Ingenieur und Handwerker eine mangelfreie Planung und Ausführung. Kommt es zu Schimmelproblemen wird die Schuld gerne auf den Bauherren und dessen Lüftungsverhalten, auf die Neubaufeuchte oder die mangelhafte Ausführung des Handwerkers geschoben. Im Rechtsstreit ist aber Vorsicht geboten. Hat der Planer z.B. den Wärmebrückenzuschlag von 0,05 W/m2*K nach EnEV verwendet und kann er dies nicht nachweisen, hat er ein Problem. Auch wenn er den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2, welcher in den Landesbauordnungen verankert ist, nicht nachweisen kann, trägt der Planer zumindest eine Teilschuld. Dies betrifft auch die Wärmebrücken.
Meines Wissens nach kontrolliert die KfW mittlerweile auch bei den KfW Anträgen die Wärmebrückenberechnungen. Kein Planer kann es sich leisten, dass der KfW Antrag abgelehnt wird. Der Bauherr wird dies kaum akzeptieren, da er oft auf das Geld angewiesen ist.

 
Herr Veit: Oder gibt es auch monetäre Effekte, die eine richtige Bewertung von Wärmebrücken notwendig machen? Ist die Wärmebrückenberechnung ein Thema, welches ein 1,5-tägiges Seminar rechtfertigt?
Herr Kehl: Der erste halbe Tag dient dazu die Planer und Handwerker auf den aktuellen Stand der Dinge zu bringen. Es werden Hintergründe zum Schimmel erläutert. Woher kommt z.B. der Faktor f Rsi aus der DIN 4108-2. Was muss man im Gebäudebestand beachten? Bei welchen Wärmebrücken gilt es besonders genau hinzuschauen? Alles Fragen, die beantwortet werden. Der Tag ist auch für "Nichtrechner" von Interesse. Der Samstag dient dazu, richtig mit der Wärmebrückensoftware Therm 5.2 richtig umzugehen. Die Software wird kostenlos zum Seminar mitgeliefert. Robert Borsch-Laaks, Sachverständiger für Bauphysik aus Aachen und ich haben zu dem Programm ein Handbuch und Auswertesoftware geschrieben.
 
Herr Veit: Am Markt werden sehr viele auch kostenintensive Software-Lösungen angeboten, wie stehen Sie dazu?
Herr Kehl: Ich möchte mir nicht anmaßen, andere Programme zu beurteilen, die ich teils noch nicht mal gesehen habe. Alle Programme haben sicherlich ihre Daseinsberechtigung und wurden mit Know How und Zeit entwickelt. Daher sollen sie auch Geld kosten. Das von uns verwendete Programm Therm 5.2 kommt aus den USA. Das Programm wurde im Rahmen von Forschungsarbeiten mit öffentlichen Geldern entwickelt. Auf Grund dessen muss es auch allen Planer kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Das ist die Philosophie der US-Amerikaner. Davon können wir in diesem Fall profitieren. Das Programm ist zwar in Englisch aber leicht zu verstehen. Außerdem haben wir alle wichtigen Begriffe übersetzt.
 
Herr Veit: In unserem Wärmebrückenseminar wird mit Therm 5.2 eine echte Alternative angeboten. Genügt diese Software den Anforderungen seitens EnEV und kfw und gibt es hinsichtlich der Wärmebrückenberechnung zusätzliche Tools die den Arbeitsalltag des Planers und Energieberater leichter machen?
Herr Kehl: Weder die EnEV noch die KfW stellt Anforderungen an die Software. Sie stellen ja auch keine Anforderungen an die Bilanzsoftware. Die Wärmebrückennorm DIN EN ISO 10211 stellt Anforderungen an die Software. Diese werden von Therm 5.2 erfüllt. Wie bei allem, sollte aber der Anwender auch fähig sein, dass Programm richtig anzuwenden. Daher haben wir ein wirkliches "Anwenderhandbuch" und passende Auswertetools geschrieben, damit sich alle gut einarbeiten können. So gibt es z.B. ein Auswerteblatt auf Excelbasis geschrieben was es ermöglicht, die Oberflächentemperaturen normgerecht auszuwerten. Außerdem gibt es über 50 Auswerteblätter, die mir den sogenannten Wärmebrückenverlustkoeffizienten ermitteln. Hiermit kann z.B. auch der Gleichwertigkeitsnachweis nach Beiblatt 2 der DIN 4108 geführt werden. Alle Blätter sind "offen" programmiert, so dass jeder die Berechnungen nachvollziehen kann.
 
Herr Veit: Abschließend noch eine Frage, welchen Stellenwert nimmt die Wärmebrückenberechnung - Ihrer Meinung nach - in der Planungs- und Beratungspraxis ein?
Herr Kehl: Sicherlich gibt es viele Details, die man als erfahrender Planer auch ohne Rechner als "wärmebrückenfrei" erkennen kann. Das sehe ich ganz pragmatisch. Es ist aber erschreckend, dass es im Neubau immer noch zu Schimmelproblemen kommt. Im Altbau sehe ich das Werkzeug "Wärmebrückensoftware" mittlerweile als unersetzlich. Oft kann man die gewünschte Dämmung nicht dort platzieren, wo sie theoretisch am besten sitzen sollte. Hier ist es oft schwer abzuschätzen, ob die Dämmung ausreicht oder ob noch weitere flankierende Maßnahmen erforderlich sind. Außerdem kann man sich lange Diskussionen auf der Baustelle mit manchen unwissenden Handwerkern ersparen. Getreu dem Motto: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.
 
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